Knapp vier Millionen Einwohner.
Und trotzdem hat Kroatien seit seiner ersten Weltmeisterschaft 1998 eine Fußballbilanz hingelegt, um die das Land deutlich größere Nationen beneiden.
WM-Dritter 1998.
Vize-Weltmeister 2018.
WM-Dritter 2022.
Dazu Spieler wie Luka Modrić, Zvonimir Boban, Davor Šuker, Mateo Kovačić, Ivan Rakitić, Ivan Perišić, Mario Mandžukić oder Joško Gvardiol.
Und immer wieder erscheint bereits die nächste Generation kroatischer Talente auf den Listen großer europäischer Klubs.
Da liegt eine Frage nahe:
Wie schafft es ein so kleines Land, immer wieder Fußballer für die absolute Weltspitze hervorzubringen?
Die einfache Antwort wäre:
„Die Kroaten sind eben fußballverrückt.“
Aber das reicht nicht.
Denn hinter Kroatiens erstaunlicher Erfolgsbilanz steckt eine Mischung aus Vereinskultur, Talenterkennung, Nachwuchsausbildung, frühem Wettbewerb, internationalen Erfahrungen und einer außergewöhnlich starken Bedeutung des Fußballs innerhalb der Gesellschaft.
Und vielleicht auch ein Vorteil, über den deutlich seltener gesprochen wird:
Kroatien kann es sich schlicht nicht leisten, seine besten Talente zu übersehen.
Erst einmal die Dimension: Kroatiens Bilanz ist außergewöhnlich
Bei seiner ersten Weltmeisterschaft als eigenständiger Staat trat Kroatien 1998 in Frankreich an.
Und wurde direkt Dritter.
Zwanzig Jahre später folgte bei der WM 2018 der größte Erfolg der Geschichte:
Kroatien erreichte das WM-Finale.
2022 stand die Mannschaft erneut im Halbfinale und gewann anschließend gegen Marokko das Spiel um Platz drei. FIFA bezeichnet Kroatiens Erfolgsbilanz angesichts einer Bevölkerung von knapp vier Millionen selbst als bemerkenswert.
Das Entscheidende ist dabei nicht einmal ein einzelnes Turnier.
Eine Überraschungsmannschaft kann bei einer WM weit kommen.
Kroatien hat es aber mit unterschiedlichen Generationen geschafft.
1998 standen Spieler wie Davor Šuker, Zvonimir Boban und Robert Prosinečki auf dem Platz.
2018 waren es Luka Modrić, Ivan Rakitić, Mario Mandžukić und Ivan Perišić.
2022 gehörte plötzlich ein damals erst 20-jähriger Joško Gvardiol zu den auffälligsten Spielern des Turniers.
Es muss also Strukturen geben, durch die immer wieder neue Spieler nachkommen.
Der vielleicht wichtigste Punkt: Talente müssen früh erkannt werden
Große Fußballnationen besitzen einen riesigen Spielerpool.
Deutschland, Frankreich, Spanien oder England können theoretisch wesentlich mehr Talente verlieren, ohne dass das sofort Auswirkungen auf die Nationalmannschaft hat.
Kroatien hat diesen Luxus nicht.
Eine Aussage des früheren HNS-Funktionärs Romeo Jozak bringt diese Logik ziemlich gut auf den Punkt.
Im Zusammenhang mit Dinamos Nachwuchsarbeit erklärte er gegenüber der UEFA sinngemäß:
Kroatien könne es sich nicht leisten, talentierte Spieler zu übersehen.
Genau diese Haltung ist entscheidend.
Wer nur wenige Millionen Einwohner hat, muss intensiver suchen.
Ein außergewöhnliches Talent aus Zagreb ist wichtig.
Aber genauso wichtig kann ein Junge aus Split, Osijek, Varaždin, Zadar, Slavonien, Istrien oder einem kleinen Dorf sein.
Und inzwischen endet diese Suche nicht einmal mehr an der kroatischen Grenze.
Dinamo Zagreb – die bekannteste kroatische Talentschmiede
Wenn man über kroatische Nachwuchsarbeit spricht, kommt man an Dinamo Zagreb nicht vorbei.
Die Liste der Spieler, die zumindest einen wichtigen Teil ihrer Ausbildung bei Dinamo absolviert haben, ist beeindruckend.
Dazu gehören unter anderem:
Zvonimir Boban
Luka Modrić
Mateo Kovačić
Dejan Lovren
Joško Gvardiol
Vedran Ćorluka
Šime Vrsaljko
Andrej Kramarić
Lovro Majer
und viele weitere.
Dinamo bezeichnet seine Akademie heute selbst als zentralen Bestandteil der Vereinsidentität. Der Klub verweist auf moderne Trainingsmethoden, individuelle Entwicklungspläne, Sportwissenschaft, Analyse und eine enge Verbindung zwischen Akademie und erster Mannschaft.
Auch die UEFA beschäftigt sich seit Jahren mit Dinamos Nachwuchsarbeit und bezeichnete die Zagreber Akademie bereits als international bekannte Talentschmiede.
Joško Gvardiol liefert dafür ein sehr gutes Beispiel.
Er durchlief bei Dinamo zahlreiche Nachwuchsmannschaften und spielte bereits mit 17 Jahren für die erste Mannschaft. Gegenüber der UEFA sagte er später über Dinamo:
„People at that club know what they’re doing.“
Mit 20 Jahren stand er anschließend mit Kroatien bei einer Weltmeisterschaft auf dem Podium.
Natürlich wird nicht aus jedem 17-Jährigen Joško Gvardiol.
Aber der Weg vom Nachwuchs in den Profifußball ist sichtbar.
Und genau das ist für junge Spieler enorm wichtig.
Aber Kroatien besteht nicht nur aus Dinamo
Es wäre ein Fehler, Kroatiens Nachwuchsarbeit auf Zagreb zu reduzieren.
Hajduk Split besitzt ebenfalls eine große Nachwuchstradition.
Die heutige Akademiestruktur reicht von den jüngsten Jahrgängen bis zur U19 und beschäftigt neben Mannschaftstrainern unter anderem Torwarttrainer, einen Talentscout und Trainer für individuelle Entwicklung.
Interessant ist außerdem, dass Hajduk die Ausbildung ausdrücklich nicht auf Fußball reduziert.
Zur Akademie gehören beziehungsweise gehören Fachkräfte aus Bereichen wie:
Psychologie
Pädagogik
Ernährung
medizinische Betreuung
Athletik
sowie die Begleitung der schulischen Entwicklung.
Der Klub beschreibt seine Philosophie ausdrücklich als Entwicklung des Spielers und des Menschen.
Daneben spielen Osijek, Rijeka, Lokomotiva, Varaždin und zahlreiche kleinere Vereine eine wichtige Rolle.
Denn nicht jedes kroatische Talent beginnt direkt in einer der größten Akademien.
Viele werden zunächst in kleineren lokalen Vereinen ausgebildet und später von größeren Klubs übernommen.
Dadurch entsteht ein Netzwerk, das weit über die bekanntesten Namen hinausgeht.
Kleine Vereine können für die Entwicklung enorm wichtig sein
Das klingt zunächst paradox.
Ein Talent möchte doch möglichst früh zum größten Verein.
Nicht unbedingt.
Gerade in der Entwicklung eines jungen Fußballers ist Spielzeit entscheidend.
Ein 17- oder 18-Jähriger kann in einer berühmten Akademie hervorragend trainieren.
Wenn er anschließend jedoch jahrelang kaum Erwachsenenfußball spielt, fehlt eine wichtige Entwicklungsstufe.
Kroatische Talente werden vergleichsweise früh mit einem Umfeld konfrontiert, in dem Ergebnisse zählen und körperlich ältere Gegenspieler warten.
Luka Modrić ist dafür ein berühmtes Beispiel.
Sein Weg führte nicht direkt von Dinamos Jugend zum Superstar bei Real Madrid.
Er spielte zunächst leihweise Seniorenfußball bei Zrinjski Mostar und anschließend bei Inter Zaprešić, bevor er sich bei Dinamo etablierte.
Der einzelne Karriereweg lässt sich natürlich nicht als allgemeines kroatisches System verkaufen.
Aber das Prinzip dahinter ist interessant:
Talente müssen irgendwann aus dem geschützten Nachwuchsfußball heraus.
Der HNS beginnt früh mit der Auswahl
Auch der kroatische Fußballverband spielt eine zentrale Rolle.
UEFA nennt Spielerentwicklung ausdrücklich als einen Schwerpunkt der HNS-Strategie.
Ein besonders bemerkenswertes Beispiel:
Alle 26 Spieler des kroatischen Kaders für die EURO 2020 hatten zuvor das Nachwuchssystem des HNS durchlaufen.
Die kroatischen Nationalmannschaften beginnen lange vor der U21.
Bereits junge Jahrgänge werden in Auswahlmannschaften, Lehrgängen und Turnieren zusammengeführt.
Dazu kommen regionale Sichtungen und Selektionsveranstaltungen.
Ein wichtiger Bestandteil ist beispielsweise das internationale Vlatko-Marković-Turnier, bei dem kroatische Nachwuchsnationalspieler bereits im U15-Bereich gegen andere Nationen antreten.
FIFA unterstützte die ersten Austragungen dieses Turniers finanziell. Der Verband begründet dies ausdrücklich damit, dass junge Spieler früh Erfahrung gegen andere Fußballkulturen und unter internationalem Wettbewerbsdruck sammeln sollen.
Genau solche Spiele sind wertvoll.
Denn ein Talent, das in seiner kroatischen Liga jedes Wochenende überlegen ist, muss plötzlich gegen einen gleichaltrigen Spieler aus Frankreich, Spanien, Japan oder einer anderen Fußballkultur bestehen.
Dadurch entsteht ein realistischerer Maßstab.
Interessant: Kroatiens Nachwuchsnationalteams dominieren die Welt gar nicht
Und hier kommt ein Punkt, den ich besonders spannend finde.
Wenn Kroatien ein perfektes Nachwuchssystem hätte, müsste man erwarten, dass die kroatischen U17-, U19- und U20-Mannschaften permanent internationale Turniere dominieren.
Das tun sie nicht.
FIFA weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass Kroatiens Nachwuchsnationalmannschaften im Verhältnis zu den Erfolgen der A-Nationalmannschaft deutlich weniger erfolgreich waren.
Im FIFA-Forward-Bericht wird beispielsweise darauf verwiesen, dass Kroatien über einen längeren Zeitraum keine U20-WM erreichte und die Qualifikationsbilanz für U17-Weltmeisterschaften vergleichsweise bescheiden war.
Das ist enorm wichtig für die Einordnung.
Denn es zeigt:
Kroatiens Stärke besteht offenbar nicht darin, im Alter von 16 Jahren regelmäßig die beste Nachwuchsmannschaft der Welt zu besitzen.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Wie viele dieser Spieler entwickeln sich später zu guten Profis?
Nachwuchsergebnisse und langfristige Spielerentwicklung sind eben nicht dasselbe.
Eine U15 kann jedes Turnier gewinnen und trotzdem kaum spätere Nationalspieler produzieren.
Eine andere Mannschaft kann früh verlieren – und fünf Jahre später stehen mehrere Spieler im Profifußball.
Ausbildung vor dem kurzfristigen Nachwuchsergebnis
Genau hier liegt möglicherweise einer der wichtigsten Unterschiede in erfolgreicher Nachwuchsarbeit allgemein.
Ein Jugendtrainer kann zwei Ziele haben:
Am Samstag unbedingt gewinnen.
Oder:
Spieler entwickeln, die mit 20 noch besser werden können.
Natürlich schließt sich beides nicht aus.
Aber manchmal entsteht ein Konflikt.
Der körperlich stärkste Spieler eines Jahrgangs kann einer U15 heute Spiele gewinnen.
Der technisch intelligentere, aber körperlich spätere Spieler könnte langfristig das größere Potenzial besitzen.
Deshalb darf Nachwuchsfußball nicht ausschließlich anhand von Tabellen bewertet werden.
Und Kroatiens Geschichte liefert dafür einige bemerkenswerte Beispiele.
Luka Modrić war körperlich nie der klassische dominante Nachwuchsspieler.
Was ihn außergewöhnlich machte, waren andere Eigenschaften:
Spielverständnis.
Technik.
Orientierung.
Entscheidungen.
Mentalität.
Und die Fähigkeit, das Spiel zu lesen.
Technik und Spielverständnis haben traditionell einen hohen Stellenwert
Wenn man sich viele erfolgreiche kroatische Mittelfeldspieler anschaut, fällt etwas auf.
Robert Prosinečki.
Zvonimir Boban.
Luka Modrić.
Mateo Kovačić.
Marcelo Brozović.
Ivan Rakitić.
Unterschiedliche Spieler – aber bei vielen spielen Ballkontrolle, Passspiel, Raumverständnis und technische Qualität eine große Rolle.
Das ist natürlich keine Eigenschaft, die nur Kroaten besitzen.
Aber über Jahrzehnte hat sich im kroatischen und zuvor jugoslawischen Fußball eine starke technische Tradition entwickelt.
Gerade in kleineren Spielformen, auf engen Plätzen, im Futsal oder beim Straßenfußball werden Eigenschaften gefordert, die später auch im großen Spiel helfen:
den Ball unter Druck kontrollieren,
schnell entscheiden,
enge Räume erkennen,
und Lösungen finden, bevor der Gegner da ist.
Heute kommen zu dieser traditionellen Ausbildung moderne Bereiche wie Datenanalyse, Athletik, Medizin und individuelle Trainingsprogramme hinzu.
Und dann gibt es noch die Diaspora
Kroatiens tatsächlicher Talentpool endet nicht an der Landesgrenze.
Millionen Menschen kroatischer Herkunft leben außerhalb Kroatiens.
Deutschland, Österreich, die Schweiz, Bosnien und Herzegowina, Australien, Kanada und andere Länder spielen deshalb seit Jahrzehnten auch für den kroatischen Fußball eine Rolle.
Spieler können in einem völlig anderen Fußballsystem ausgebildet werden und trotzdem später für Kroatien spielen.
Die HNS-Arbeit berücksichtigt diese Diaspora ausdrücklich.
In offiziellen HNS-Jahresberichten werden beispielsweise auch Camps für junge Spieler aus der kroatischen Diaspora erwähnt.
Das ist ein erheblicher Vorteil.
Denn Kroatien kann dadurch indirekt auch von Ausbildungssystemen anderer Länder profitieren.
Ein kroatischer Nachwuchsspieler kann beispielsweise in Deutschland aufwachsen, dort eine Bundesliga-Akademie durchlaufen und trotzdem Teil des kroatischen Nationalmannschaftssystems werden.
Damit wird aus einem Land mit knapp vier Millionen Einwohnern ein deutlich größerer potenzieller Spielerpool.
Aber ein kroatischer Nachname allein reicht nicht
Auch hier sollte man nicht romantisieren.
Die Diaspora liefert nicht automatisch Nationalspieler.
Ein Verband muss solche Spieler früh kennen.
Kontakte zur Familie aufbauen.
Sie beobachten.
Sie zu Lehrgängen einladen.
Und irgendwann entsteht möglicherweise sogar Konkurrenz mit einem anderen Verband.
Gerade bei Spielern mit mehreren Staatsangehörigkeiten wird diese Arbeit immer wichtiger.
Deutschland, Österreich, die Schweiz und andere Länder wollen ihre besten Nachwuchsspieler selbstverständlich ebenfalls behalten.
Kroatien konkurriert also um Talente.
Deshalb sind Scouting, Kommunikation und eine erkennbare Perspektive innerhalb der Nationalmannschaften entscheidend.
Ist es die berühmte kroatische „Mentalität“?
Und dann kommt irgendwann dieses Wort:
Mentalität.
Kroaten seien besonders kämpferisch.
Sie würden niemals aufgeben.
Das berühmte „Inat“ wird gerne als Erklärung für alles herangezogen.
Ganz falsch ist die Beobachtung vielleicht nicht.
Wer die kroatische Nationalmannschaft 2018 oder 2022 erlebt hat, konnte sehen, wie schwer diese Mannschaft zu schlagen war.
Verlängerungen.
Elfmeterschießen.
Rückstände.
Drucksituationen.
Kroatien hat bemerkenswert viele davon überstanden.
Aber mir wäre es zu einfach zu sagen:
„Kroaten werden mit einer Siegermentalität geboren.“
Das ist keine seriöse Erklärung für Spielerentwicklung.
Mentalität entsteht ebenfalls durch Erfahrungen.
Durch Konkurrenz.
Durch Trainer.
Durch Niederlagen.
Durch Verantwortung.
Und dadurch, früh in Situationen gebracht zu werden, in denen man Lösungen finden muss.
Meine Sicht als Jugendtrainer
Gerade aus Sicht eines Jugendtrainers finde ich einen anderen Punkt viel interessanter:
Talent allein reicht fast nie.
Bei Kindern erkennt man relativ schnell, wer technisch weiter ist.
Aber mit acht, zehn oder zwölf Jahren kann niemand sicher sagen, wer später Profi wird.
Kinder entwickeln sich unterschiedlich.
Körperlich.
Mental.
Technisch.
Und auch charakterlich.
Deshalb halte ich es für gefährlich, früh nur auf die aktuell besten Spieler zu schauen.
Die entscheidende Aufgabe besteht darin, möglichst vielen Kindern eine gute Ausbildung zu geben und gleichzeitig besondere Fähigkeiten zu erkennen.
Kroatien kann sich aufgrund seines kleinen Spielerpools noch weniger leisten als große Nationen, einen spät entwickelnden Spieler vorschnell abzuschreiben.
Genau dieser Gedanke passt für mich zu der Aussage:
Wir können es uns nicht leisten, ein Talent zu übersehen.
Kroatiens größtes Problem könnte gleichzeitig seine Stärke sein
Es gibt allerdings auch eine Schattenseite.
Ein kleiner Fußballmarkt kann seine besten Spieler wirtschaftlich kaum dauerhaft halten.
Sobald ein kroatisches Talent international auffällt, interessieren sich größere europäische Vereine.
Für Dinamo, Hajduk oder andere kroatische Klubs bedeutet gute Nachwuchsarbeit deshalb häufig auch:
Der Spieler wird irgendwann gehen.
Für die heimische Liga ist das nicht immer positiv.
Für die Entwicklung der Nationalmannschaft kann der Schritt in eine stärkere Liga aber wiederum wertvoll sein.
Die besten kroatischen Spieler sammeln dadurch Erfahrungen in Spanien, England, Italien, Deutschland oder anderen Topligen.
Bei der Nationalmannschaft kommen diese unterschiedlichen Fußballkulturen anschließend wieder zusammen.
Auch das kann eine Stärke sein.
Es gibt also nicht „den einen kroatischen Trick“
Wer nach einem geheimen Rezept sucht, wird enttäuscht.
Es gibt keine einzelne Trainingsübung, die erklärt, warum Kroatien so viele hervorragende Fußballer produziert.
Es ist vielmehr eine Kombination:
Fußball besitzt gesellschaftlich eine enorme Bedeutung.
Talente werden früh gesucht und selektiert.
Traditionsklubs besitzen starke Akademien.
Kleinere Vereine bleiben wichtige Teile der Entwicklung.
Junge Spieler erhalten internationale Erfahrungen.
Der HNS begleitet Spieler bereits in jungen Altersklassen.
Die Diaspora vergrößert den Talentpool.
Und die besten Spieler wechseln später in stärkere europäische Ligen.
Keine dieser Komponenten allein würde Kroatiens Erfolg erklären.
Zusammen ergeben sie jedoch ein bemerkenswert effektives System.
Mein Fazit
Kroatien produziert nicht deshalb Weltklasse-Fußballer, weil dort irgendein geheimnisvolles Fußball-Gen existiert.
Und auch nicht einfach deshalb, weil Kroaten „mehr Mentalität“ hätten als andere Nationen.
Die eigentliche Erklärung ist interessanter.
Ein kleines Land hat gelernt, mit einem begrenzten Spielerpool sehr sorgfältig umzugehen.
Talente müssen gefunden werden.
Sie müssen ausgebildet werden.
Sie müssen spielen.
Sie müssen gegen stärkere Gegner antreten.
Und irgendwann müssen die besten von ihnen den nächsten Schritt gehen.
Dinamo Zagreb ist dafür das bekannteste Beispiel, aber längst nicht das einzige.
Hajduk, Osijek, Rijeka, Lokomotiva, kleinere Vereine, der HNS und inzwischen auch die kroatische Diaspora gehören alle zu diesem Netzwerk.
Und vielleicht liegt Kroatiens größte Stärke am Ende genau in seiner Größe.
Ein Land mit knapp vier Millionen Einwohnern weiß:
Jeder außergewöhnliche Spieler zählt.
Wenn dann eine Generation mit Modrić langsam abtritt, lautet die entscheidende Frage deshalb nicht, ob Kroatien jemals wieder Talente hervorbringen wird.
Die Vergangenheit spricht dafür, dass neue kommen.
Die spannendere Frage lautet:
Wer ist der Nächste?
Quellen
UEFA – Developing football in Croatia
UEFA-Übersicht zur Talententwicklung des HNS und zur Bedeutung des Nachwuchssystems. Alle 26 kroatischen Spieler des EURO-2020-Kaders hatten das HNS-Nachwuchssystem durchlaufen.
https://www.uefa.com/nationalassociations/cro/?utm_source=chatgpt.com
FIFA – FIFA Forward Development Report: Croatia
Informationen zum Vlatko-Marković-Turnier, zur internationalen Ausbildung kroatischer Nachwuchsspieler und zur im Vergleich zur A-Nationalmannschaft weniger erfolgreichen Bilanz der Jugendnationalteams.
https://football-technology.fifa.com/advancing-football/fifa-forward/fifa-forward-report?utm_source=chatgpt.com
FIFA – Kroatien bei der Weltmeisterschaft
Offizielle Einordnung der kroatischen WM-Erfolge 1998, 2018 und 2022 sowie der außergewöhnlichen Bilanz eines Landes mit knapp vier Millionen Einwohnern.
https://www.fifa.com/de/tournaments/mens/worldcup/canadamexicousa2026/articles/kroatien-wm-qualifikation-modric-dalic
GNK Dinamo Zagreb – Geschichte der Akademie
Informationen zur Philosophie, Nachwuchsarbeit, individuellen Spielerentwicklung und zu ehemaligen Akademiespielern wie Modrić, Kovačić und Gvardiol.
https://www.fifa.com/de/tournaments/mens/worldcup/canadamexicousa2026/articles/kroatien-wm-qualifikation-modric-dalic
UEFA – Die Talentschmiede von Dinamo Zagreb
Einordnung der internationalen Reputation von Dinamos Akademie und der Bedeutung von Talenterkennung und Nachwuchstrainern.
https://www.fifa.com/de/tournaments/mens/worldcup/canadamexicousa2026/articles/kroatien-wm-qualifikation-modric-dalic
UEFA – Joško Gvardiol über Dinamo Zagreb
Gvardiol über seinen Weg durch Dinamos Nachwuchsmannschaften und sein Debüt für die erste Mannschaft mit 17 Jahren.
https://www.uefa.com/uefachampionsleague/news/027f-17857daeeecd-3df777643603-1000–anything-is-possible-for-gvardiol/
HNK Hajduk Split – Akademie
Aufbau der Nachwuchsabteilung sowie Informationen zu Trainern, Scouting, individueller Entwicklung, Pädagogik, Psychologie und medizinischer Betreuung.
https://hajduk.hr/eng/youth-academy/staff
Hrvatski nogometni savez – Jahresbericht
Informationen zu Sichtungsturnieren, Nachwuchscamps und Camps für junge Spieler aus der kroatischen Diaspora.
https://hns-cff.hr/files/documents/23103/Godisnjak%202021%20HR%20web.pdf

